Mein neues Buch: “Zu viel Schule, zu dumm fürs Leben – Bildung in den Zeiten des Abiturwahns”

Heute erschienen, als Hardcover und als E-Book. Viel Spaß beim Lesen.

Leseproben, Informationen zu den Autorenlesungen etc. findet man unter www.zuvielschule.de.

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Der Finanzminister als Märchentante: Bildung, Steuern, Vermögen − alles fair und gerecht in Deutschland …

… und am Ende seiner Legende: Union und SPD sind Volksparteien. LoL.

 

Wolfgang Schäuble ist ein begnadeter Geschichten-Erzähler. Im Rahmen eines heute veröffentlichten Interviews der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagt er:

Die jungen Leute haben es doch heute leichter! Schon weil das Bildungssystem viel besser ausgebaut ist.

Wovon redet der Mann? Von unseren Einser-Abiturienten, die Probleme mit dem Lesen, Schreiben und Rechnen haben? Die, weil keiner sie einstellen will, Kunstgeschichte studieren und anschließend Rikscha-Fahrer werden?

Des weiteren fabuliert der christliche Minister am Tag der Arbeit über Steuergerechtigkeit und die Kluft zwischen Arm und Reich. Er meint: „Wir sollten nicht kurzatmig jeder Ungleichheitsdebatte hinterherlaufen.“ Allen Mühseligen und Beladenen verkündet er die frohe Botschaft: In Deutschland geht es im Großen und Ganzen fair und gerecht zu. Am Ende des Interviews spricht er von der „Stärke der Volksparteien“. Gemeint sind offensichtlich CDU/CSU und SPD.

***

Und jetzt ein wenig praktische Mathematik. Fänden am heutigen Sonntag Bundestagswahlen statt, sähe das Ergebnis laut aktuellen Meinungsumfragen so aus:

CDU/CSU: ca. 20%,  ca. 13 Mio. Wähler
SPD: ca. 12%, ca. 8 Mio.
AfD: ca. 6%, ca. 4 Mio.

Wieso nur zwanzig Prozent für die Union und zwölf für die SPD? Ganz einfach, ich spreche hier vom Anteil der Wahlberechtigten (!), nicht vom Prozentsatz derer, die zur Wahl gehen.

Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen ist in den letzten sechs Jahren von knapp 18% auf mehr als 40% gestiegen. Es ist die neue und einzige Volkspartei in Deutschland. Nur, dass die Chefs unserer „Großen“ Koalition es noch nicht gemerkt haben.

Von 64,4 Mio. Wahlberechtigten haben circa 26 Millionen − mehr als die Summe aller jetzigen Unions- und SPD-Anhänger − ein Riesenproblem mit dem Berliner Establishment. Sie haben schlicht die Schnauze voll. 26 Millionen, fast die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung – das können nicht nur Hartz-IV-Empfänger, Linksradikale oder Neonazis sein.

Angenommen, bei der nächsten Bundestagswahl sind diese 26 Millionen Menschen nicht mehr alle unentschlossen und die Hälfte davon macht ihr Kreuzchen bei der AfD, dann hat diese Anti-Establishment-Bewegung plötzlich nicht geschätzte 4, sondern reale 17 Millionen Anhänger; denn nun ist Wahltag, nicht Umfrage-Tag. Die AfD würde so zur stärksten Partei. Sie hätte mehr Wähler überzeugt als die Union und doppelt so viele wie die SPD. Bitte aufwachen, Herr Schäuble, Frau Merkel, Herr Gabriel. Die Märchenstunde ist zu Ende, jetzt wird (ab)gerechnet.

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Tödliche Langeweile

Karfreitag 2016. Vor etwa 2000 Jahren starb in Jerusalem ein Rabbi und gelernter Tischler namens Jesus. Auf dem Kreuz, an welches man ihn schlug, stand auf einem Schild: „König der Juden“. Es gab ein paar Leute, die meinten, es müsse heißen: „Der, der sich für den König der Juden hielt.“ Aber Pontius Pilatus, von dem das Schild stammte, sagte: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“ Man kann die Meinung vertreten, dieser Tod am Kreuz war völlig sinnlos. Aber mehr als zwei Milliarden Christen sehen das anders. Heute, 2000 Jahre später.

Der Tod lauert auf uns in allen Ecken – so hat es Montaigne in seinen Essais formuliert. Die christliche Inquisition hat der Menschheit Scheiterhaufen und jegliche Art von Folter beschert – vor ein paar hundert Jahren. Der Islamische Staat und andere Derivate des Dschihadismus drangsalieren uns mit Terroranschlägen, Enthauptungen und Massenvergewaltigungen – heute. Aber es gibt mehr als eineinhalb Milliarden friedliebende, liebenswürdige Muslime. Einige von ihnen kenne ich, Allah sei Dank.

New York, Madrid, Paris, Brüssel – Wut und Rachegefühle bringen uns nicht weiter. Auch nicht das unaufhörliche Hochkochen von Tagesnachrichten, rund um die Uhr. Jedes Jahr sterben fast neun Millionen Menschen an Hunger. Wer berichtet darüber? Ungefähr sechs Millionen Menschen fielen dem Holocaust zum Opfer. Wen interessiert das heute noch?

In den Essais von Montaigne findet man außer dem obigen Zitat noch ein wenig mehr über Tod und Vergänglichkeit:

Es ist ungewiss, wo uns der Tod erwartet; erwarten wir ihn also allenthalben! Sinnen auf den Tod ist sinnen auf Freiheit. Wer sterben gelernt hat, versteht das Dienen nicht mehr.

Ich möchte kein Diener sein. Vor allem nicht der Diener von Knallköpfen, die nichts lernen wollen. Die meinen, sie wüssten schon alles. Indem ich ihnen das liefere, wonach sie sich sehnen: Aufmerksamkeit, Angst, Paralyse. Diese Leute haben das Projekt Menschheit keinen Zentimeter vorangebracht. Sie machen immer das Gleiche. Sie entwickeln sich nicht. Es ist langweilig. Und zugleich todbringend.

Vor einiger Zeit habe ich beschlossen: Vieles, was früher wichtig für mich war, geht mir ab sofort am Allerwertesten vorbei. Der Islamismus hat keine allzu große Bedeutung für mein Leben. Ebenso Turbo-Kapitalismus und Pseudo-Sozialismus. Wirklich wichtig für mich sind meine Nächsten. Meine Freunde. Rhythm ‘n’ Blues. Und der BVB.

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Projektphilosophie − neue Website …

… einfach mal reinschauen: www.projektphilosophie.de.

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Lob der Philosophie

Ständig und überall wird politisiert, psychologisiert, soziologisiert und pädagogisiert. Warum philosophieren wir so wenig?

Gerade jetzt, wo das Thema “Flüchtlinge” immer hitziger in den Medien abgehandelt wird – von Politikern und “normalen” Bürgern, selbsternannten Patrioten und Gutmenschen -, ist es wohltuend, einmal den Gedanken und Argumenten eines Philosophen zu folgen.

Das “Philosophie Magazin” hat 27 Denker zum Thema Migration und Integration befragt. Wolfram Eilenberger, der Chefredakteur der Zeitschrift, wurde aus diesem Anlass von SPIEGEL ONLINE interviewt. Er sagt in diesem Interview einige bemerkenswerte Sätze, wobei er ebenso auf positive wie auf negative Aspekte der Flüchtlingsproblematik hinweist:

Ich finde, unsere Gesellschaft hat sich in den vergangenen zwölf Monaten als außerordentlich resilient, aktivierungsfähig und selbstmobilisierend gezeigt. Möglich, dass man in 20 Jahren sagt: Das war ein Wunder! Es ist sehr viel Gutes getan worden, auf das man stolz sein kann. Viele Helfer haben erkannt, dass der Staat nicht alle gesellschaftlichen Probleme lösen kann. Also haben sie sich selbst organisiert in Netzwerken. (…)

Gerade die Flüchtlingsthematik wird von einer infantilen Diskurskultur beherrscht, von wechselseitigen Unterstellungen, Häme, Beschuldigung, naiver Besserwisserei und Verhärtung. (…) Es wäre ein erwachsener Anfang, sich zunächst eine grundlegende Perplexität einzugestehen. Wir bewegen uns derzeit alle auf schwankendem Grund. Das erfordert eine besondere Wachheit und Gelenkigkeit, gerade in Bezug auf eigene Überzeugungen. Es erfordert die Bereitschaft, Unrecht zu haben.

Ich muss gestehen, hier wie auch in vielen anderen Fällen des öffentlichen Diskurses finde ich die philosophische Art zu denken und zu beurteilen hilfreicher als die politische oder die psychologische.

Warum philosophieren wir so wenig?

 

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Ein Vater, drei Söhne, ein Hahn, eine Henne

Kleine Einführung in den Radikalen Konstruktivismus

 

Ein Tag vor Silvester – der richtige Zeitpunkt für eine Vorweihnachtsgeschichte.

Ein Bauer fragt seine drei Söhne, was sie sich zu Weihnachten wünschen. Der Älteste ist als erster dran und sagt: „Ein Moped“. Darauf der Bauer: „Zu teuer; solange wir unseren neuen Mähdrescher nicht abbezahlt haben, gibt es kein Moped für dich“. Nun ist der mittlere Sohn an der Reihe. Er wünscht sich ein Mountainbike. Aber auch sein Wunsch wird abgeschmettert: „Solange der neue Mähdrescher nicht abbezahlt ist, gibt’s kein Mountainbike. Gleiches Recht für alle.“ Nun fragt der Vater den Kleinsten: „Na, Andreas, was wünschst du dir denn?“. „Ein Dreirad“. „Tut mir leid. Gleiches Recht für alle.“ Der kleine Andreas ist untröstlich, geht hinaus auf den Hof und kickt ärgerlich den ersten Stein, den er sieht, mit voller Wucht über den Zaun. Da sieht er den Hahn, der kurz zuvor eine Henne bestiegen hat. Andreas hat gerade einen guten Lauf. Er verpasst dem Hahn einen kräftigen Tritt ins Hinterteil und ruft ihm hinterher: „Solange der neue Mähdrescher nicht abbezahlt ist, musst du auch zu Fuß gehen. Gleiches Recht für alle“.

Wer die kleine Geschichte hört oder liest, versetzt sich unwillkürlich in die Lage des Jüngsten. Er ist der Hauptdarsteller, und seine Gefühle und sein Handeln sind absolut schlüssig und nachvollziehbar. Was weiß Andreas schon von Bankkrediten und den Fortbewegungsmitteln der Hähne?

Sich in die Lage des Bauern oder der beiden älteren Söhne zu versetzen, ist nicht besonders aufregend. Witzlos. Aber stellen Sie sich vor, Sie sind der Hahn. Wie soll er sich einen Reim auf die Sache machen? Die Sprache der Menschen versteht er nicht. Und dann die Henne! Wie würden Sie an Ihrer Stelle das Ganze wahrnehmen? Dieser unvermittelte Interruptus … auch wenn der Hahn Ihnen im Wegfliegen noch zuruft „Henriette, es hat nichts mit dir zu tun“, wie sollen Sie das alles einordnen?

Spätestens jetzt wird Ihnen klar, mit Wirklichkeit und Wahrheit ist es nicht so einfach. Heinz von Foerster hat es so formuliert: „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“.

***

Abschließend nun eine streng wissenschaftliche Darstellung von Paul Watzlawick, die wir in seinem Buch „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ finden:

Wohl alle Psychologiestudenten kennen den alten Witz von der Laborratte, die einer anderen Ratte das Verhalten des Versuchsleiters mit den Worten erklärt: »Ich habe diesen Mann so trainiert, dass er mir jedes Mal Futter gibt, wenn ich diesen Hebel drücke.« Damit beweist die Ratte, dass sie in derselben Reiz-Reaktionsfolge eine andere Gesetzmäßigkeit sieht als der Versuchsleiter: Für ihn ist der Hebeldruck der Ratte eine von ihr erlernte Reaktion auf einen von ihm unmittelbar vorher gegebenen Reiz; wie aber die Ratte die Wirklichkeit sieht, ist ihr Hebeldruck ein Reiz, den sie dem Versuchsleiter erteilt, worauf er mit dem Geben von Futter als erlernter Reaktion antwortet usw. Obwohl beide also dieselben Tatsachen sehen, schreiben sie ihnen zwei sehr verschiedene Bedeutungen zu und erleben sie daher buchstäblich als zwei verschiedene Wirklichkeiten.

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Neue Folge der Serie “Weltuntergang”: Hawking, Buddha, Hollywood

The Empire Strikes Back. Das hat den Leuten von BILD keine Ruhe gelassen, dass SPIEGEL ONLINE sich anmaßt, das Thema Weltuntergang zu besetzen. Die Antwort auf den Artikel “Zwölf Szenarien für den Weltuntergang”, von dem ich vorgestern berichtet habe, ließ nicht lange warten.

Nix mit Asteroiden und Killer-Viren, Super-Vulkanen und Treibhaus-Effekt, Außerirdischen oder künstlicher Intelligenz, ruft uns aus London der BILD-Mann Heiko Roloff zu. Ja und? Womit denn wird sich die Menschheit selbst zugrunde richten?

Die Antwort weiß Stephen Hawking, sagt BILD. Dieser in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlicher Mensch nämlich warnt vor einer Bedrohung, die viel schlimmer ist. Sie steckt in uns allen: die menschlichen Aggressionen. Weiter heißt es: Wir müssen unsere Aggressionen durch Mitgefühl ersetzten.

Ja, das ist es. Tieferlegen. Entspannen. Hawking zeigt uns den Pfad des Siddharta Gautama – hin zu mehr Achtsamkeit, zu einem friedlichen und liebevollen Zustand. Nun, vermutlich haben Herr Abu Bakr al-Baghdadi und Herr Kim Jong-un im Augenblick nicht viel Zeit für solche Mätzchen. Aber vielleicht am 30. Mai, wenn dann das Weltende endlich stattfinden wird (“doch keiner weiß in welchem Jahr”), in der Stunde der Wahrheit, der Gleichheit und der Besch…eidenheit. Wenn sieben, zehn oder mehr Milliarden Meerschweinchen in einer Nussschale zusammenrücken und feststellen, sie sind möglicherweise nicht die Krone der Schöpfung.

Hollywood? Ach ja, Eddie Redmayne hat einen Oscar bekommen für seine Rolle als junger Hawking in “The Theory of Everything”, der alte Hawking hat ihm dazu gratuliert. Und am 30. Mai 20xx sind die letzten Oscars zu gewinnen. Milliarden Oscars, alle gleich groß, gleich starr, gleich stumm.

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Das Ende der Menschheit als “Weltuntergang” – Größenwahn einer bedrohten Tierart

Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine: “Du siehst aber schlecht aus. Fehlt dir was?” Sagt der Zweite: “Ach, mir geht’s gar nicht gut. Ich habe Homo sapiens.” Tröstet ihn der andere: “Mach dir keine Sorgen, hatte ich auch mal. Das geht wieder vorbei …”

Diese Geschichte viel mir als erstes ein, als ich auf SPIEGEL ONLINE die Schlagzeile las:

Zwölf Szenarien für den Weltuntergang: Wir werden alle sterben

Die Überschrift ist doppelt irreführend. Zum einen geht es in dem zugehörigen Artikel nicht um den Untergang “der Welt”, was immer das heißen mag. Und der Satz “Wir werden alle sterben”, eine Binsenweisheit, schießt ebenfalls am eigentlichen Thema des Aufsatzes vorbei: Ende der Menschheit.

Wie wäre es, wenn wir Menschen uns nicht so wichtig nehmen würden?

Wenn ein Mensch stirbt, geht dadurch nicht gleich eine ganze Nation oder ein Weltkonzern (gemeint ist natürlich ein globales Unternehmen) zugrunde. “Die Friedhöfe sind voller unentbehrlicher Männer”, hat schon Georges Clémenceau festgestellt. Also: Tieferlegen. Entspannen. Egozentrisches Denken macht auf Dauer nicht glücklich.

Und wenn es eines Tages die Menschheit nicht mehr geben wird, bedeutet dies nicht zwangsläufig das Ende all der anderen ungezählten Tierarten auf diesem Planeten, erst Recht nicht das Ende der Erde. Und selbst wenn sich in drei Milliarden Jahren, so liest man es am Ende des SPIEGEL-Artikels, unsere Sonne zu einem Roten Riesen aufbläht und jegliches Leben auf der Erde unmöglich sein wird: Unser Sonnensystem ist nur eines von circa 300 Milliarden solcher Systeme in der Milchstraße, und diese ist wiederum nur eine von schätzungsweise 50 Milliarden Galaxien im uns bekannten Universum. Warum zum Kuckuck soll es außer der Erde nicht noch jede Menge weitere belebte Planeten geben? Noch einmal: Tieferlegen. Entspannen. Anthropozentrisches Denken macht auf lange Sicht dumm.

Der SPIEGEL-Artikel ist, wenn man von der verunglückten Überschrift absieht, sehr lesenswert. Erschreckend ist er allenfalls für die, die mir in den letzten Monaten nicht über den Weg gelaufen sind, die ich also nicht mit meinem Lieblingsthema “Ende der Menschheit” heimsuchen konnte ;-) . Na ja, wenn ich so weitermache, wird mein Freundeskreis bald sehr überschaubar sein.

Meine Abschlussfrage an Sie: Wie lange noch wird es Menschen auf der Erde geben, was glauben Sie? Zusatzfrage: Wie hoch ist aus Ihrer Sicht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie selbst das Ende der Menschheit erleben werden?

Glauben Sie mir, solche Fragen helfen weiter … in Richtung Tieferlegen, Entspannen, Carpe diem.

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Ganz einfach: Betriebliche Ausbildung als Voraussetzung fürs Studium

In meinem letzten Artikel ging es um die Frage: Wie können wir den Akademisierungswahn in Deutschland stoppen? Die Antwort ist ziemlich einfach.

Stellen Sie sich vor, jeder Sechzehnjährige wüsste: Um zu einem Hochschulstudium zugelassen zu werden, brauche ich neben dem Reifezeugnis eine Urkunde, die den Abschluss einer betrieblichen Ausbildung bescheinigt, also ein IHK-Prüfungszeugnis, einen Facharbeiter- oder Gesellenbrief. Schlagartig wäre Schluss mit der Geringschätzung der dualen Berufsausbildung, ebenso mit der Überhöhung und Pervertierung des Abiturs. Abi und Fachabi wären nur noch das, als was sie ursprünglich gedacht waren: ein höherer Schulabschluss. Keine Garantie für ein gelingendes Leben, wie jeder Studienabbrecher weiß.

Mit einem Schlag würde das kindlich-überhebliche Verhalten der Abiturienten mit Lese- und Rechenschwäche aufhören, der mitleidige Blick in Richtung Azubis. Plötzlich wäre klar: Wenn ich mit Erfolg studieren will, genügt nicht das Pauken von Fakten und das Durchschlawinern in Oberstufenkursen und diversen “Berufs”-Fachschulen. Ich muss mich beweisen in einem Betrieb, in der täglichen Auseinandersetzung mit Kollegen, Chefs und Kunden. Und dabei baue ich mein Selbstvertrauen auf – indem ich mein erstes Geld verdiene, meine ersten Steuern und Rentenbeiträge zahle.

Zwei Wege bieten sich dabei an: Entweder Durchmarsch bis zum Abi mit achtzehn oder neunzehn, danach verkürzte Berufsausbildung, anschließend zur Uni; oder mit sechzehn Einstieg in eine duale Ausbildung, danach Meister statt Master oder aber Fachabitur an einer Fachoberschule mit anschließendem FH-Studium. In beiden Fällen wäre mit circa 23 Jahren der Bachelor oder aber der Meisterbrief zu schaffen.

Wo ist das Problem? Wäre es wirklich schlimm, wenn es weniger 23-jährige Langzeitschüler gäbe, weniger Studienabbrecher, mehr ganzheitliche Bildung statt Halb- und Einbildung?

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Akademisierungswahn stoppen. Aber wie?

Man kann es vornehm „Akademisierungstrend“ nennen, wie Eva Schmidt von der Bundesagentur für Arbeit in Rheinland-Pfalz. Ich nenne es Akademisierungswahn, so wie es der Philosoph Julian Nida-Rümelin und viele andere inzwischen tun. In dem Artikel „Immer weniger Lehrlinge im Land“ (Rhein-Zeitung, 25.8.2014) benennt Frau Schmidt die Fakten:

2013 gab es zum ersten Mal weniger duale Ausbildungsverträge
als Hochschul-Immatrikulationen.

Immer mehr Studenten, sorry: Studierende, immer weniger Azubis. Das heißt, in ein paar Jahren findest du kaum noch jemanden, der dir die Haare schneiden oder deine Heizung reparieren kann; stattdessen Heerscharen von langhaarigen Akademikern und Studienabbrechern, die in ungeheizten Wohnungen frieren. Der Trend ist scheinbar unaufhaltsam: Jeder will Master, keiner will Meister werden.

Mal ehrlich, wen hätten Sie gern als Schwiegersohn, etwa einen Konditormeister aus Hamburg oder Wien? Dann doch lieber den smarten jungen Mann aus Paderborn, der dort gerade seinen Master in Gender Studies gemacht hat, Nebenfächer: Kunstgeschichte und Medienwissenschaften. Falls Sie sich nicht auf Anhieb etwas Handfestes unter dem Studienfach vorstellen können, hier ist die Originalbeschreibung der Uni Paderborn:

Inhaltlich befasst sich das Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies mit der Tatsache, dass die kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen gesellschaftlichen Lebens von (historisch gewachsenen und geformten) Geschlechterordnungen durchzogen sind. Es eröffnet damit Wege zum Verständnis der Bedingungen demokratischer Gesellschaften, von gesellschaftlichen Arbeits- und Machtverhältnissen, von Bewertungs- und Ausschlusspraxen oder sozialisatorischen und medialen Einflüssen auf die Individuen …

Und womit verdient man nach einem solchen Studium sein Geld? Laut Uni Paderborn so:

Mögliche Berufsfelder: Im Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies wird auf die Tätigkeit in Berufen vorbereitet werden, in denen „Genderkompetenz“, also der wissens- und reflexionsbasierte Umgang mit Geschlechterfragen und gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen gefragt ist, bzw. auf Tätigkeiten im Feld der Forschung über Geschlechterthemen. …

Na, dann können Sie sich doch beruhigt zurücklehnen, wenn Ihr genderkompetenter Schwiegersohn sich demnächst nach einer festen Stelle umsieht. Er wird sich vor Angeboten kaum retten können. Gut, dass Ihre Tochter sich nicht in einen Konditormeister oder einen Maschinenbauer verknallt hat.

Und viel Glück, wenn Ihre transsexuelle Heizung im Eimer ist. Ihr Gender-Sportsfreund wird es Ihnen erklären: Laut neuesten Gender-Forschungsergebnissen frieren Männer in Häusern mit kaputter Heizung genauso wie Frauen. Eine Studie zum Haarwachstum bei bisexuellen KonditorInnen (oder heißt es “Kuchenbackende”?) wurde gerade vom Bundesministerium für geschlechts- und wissensneutrale Bildung in Auftrag gegeben.

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